Schnittverletzungen: Mähroboter erkennen Igel nicht

Studie dokumentiert zunehmende Schnittverletzungen an Igeln durch Mähroboter. Forschende fordern technische Lösungen, um diese Gefahren zu vermeiden.

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(Bild: myartoym / Shutterstock)

Lesezeit: 4 Min.
Von
  • Christina Mikalo

Mähroboter ersparen Gartenbesitzerinnen und -besitzern Arbeit. Es erscheint deshalb wenig überraschend, dass der Absatz für solche Geräte seit Jahren wächst. Aber die mit scharfen Klingen ausgestatteten Roboter sind laut dem Berliner Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (Leibniz-IZW) auch eine zunehmende Gefahr für kleine Tiere wie Igel.

Seit rund einem Jahr sammeln zumeist ehrenamtliche Betreiberinnen und Betreiber von Igelstationen in einer geschlossenen Facebook-Gruppe Daten und Fotos von Igeln, die durch Mähroboter verletzt wurden. Mehrere Hundert solcher Fälle seien bereits belegt. "Wir gehen zudem von einer sehr hohen Dunkelziffer aus, da viele Tiere erst gar nicht gefunden beziehungsweise gemeldet werden", sagt Anne Berger vom Leibniz-IZW, die die Sammlung der Fälle wissenschaftlich begleitet. "Zudem berichten die Igelstationen, dass seit diesem Frühjahr ein Anstieg der Fälle um 30 bis 50 Prozent zu verzeichnen ist." Berger zufolge steht das mutmaßlich mit den jährlich um 12 Prozent steigenden Absatzzahlen von Mährobotern in Zusammenhang. Die Auffangstationen für den in Deutschland besonders geschützten Igel kommen wegen der vielen Fälle mit teils gravierenden Verletzungen zunehmend an ihre Grenzen.

Zur Gefahr für Igel werden Mähroboter vor allem, wenn die Geräte ohne Beaufsichtigung nachts ihre Dienste leisten. Dann gehen die Tiere nämlich bevorzugt auf Nahrungssuche. Wie eine Studie unter Leitung der dänischen Biologin Sophie Lund Rasmussen gezeigt hat, erkennen viele Mähroboter-Modelle Igel nicht ohne vorherige Berührung. Igel aber flüchten bei Gefahr nicht, sondern rollen sich ein. Werden sie dann von Robotern verletzt, geben sie keinen Laut von sich, sondern suchen, sofern noch möglich, zum Beispiel in Hecken Schutz. Dabei könnten sich aber schon leichte Schnittverletzungen an Stellen, die die Tiere mit ihrer Zunge nicht erreichen, entzünden oder von Fliegen zur Eiablage benutzt werden. Ohne Behandlung kann das für Igel tödlich sein.

Igel mit Schnittverletzungen in der Pathologie des Leibniz-IZW.

(Bild: Gudrun Wibbel/Leibniz-IZW)

Bislang ist noch kein Mähroboter auf dem Markt, der diese Gefahr erkennt und umgeht. Im Frühjahr dieses Jahres hat allerdings ein Abiturient aus dem Hochschwarzwald einen Roboter-Prototyp entwickelt, der mit KI-basierter Bilderkennung arbeitet und Igel so auf eine Entfernung von circa 50 Zentimetern erkennt und umfährt.

Kameras mit automatischer Bilderkennung hält auch Anne Berger für sinnvoll, um das Problem zu lösen. "Helfen könnte auch eine Automatik, die das Betreiben der Roboter von 18 Uhr bis 10 Uhr unmöglich macht", sagt sie. Oder Lichtsensoren, die dafür sorgen, dass ein Gerät ab einer bestimmten Dunkelheit nicht mehr fahren kann, wobei die Mähroboter dann erst mit der entsprechenden Technik ausgestattet werden müssten und an sehr bewölkten Tagen wahrscheinlich nicht mehr einsetzbar wären. Bei Geräten, die nach Übersee verschifft werden oder von dort stammen, müsste man zudem die Zeitverschiebung beachten.

Dies hält Berger aber für eher kleinere und lösbare Herausforderungen. Generell sei man von marktreifen Mährobotern aber noch ein gutes Stück entfernt. Das bedeutet weiterhin viel Arbeit für die Igelstationen, die sogar kurz vor der Aufgabe stehen, wenn von politischer Seite keine Unterstützung komme, warnt die Forscherin.

Hilfe für den Igel, der zu den ältesten noch lebenden Säugetieren zählt, halten Fachleute dabei auch wegen anderer Gefahren wie Straßenverkehr und Klimawandel für wichtig. Seit 2020 steht der Igel auf der Vorwarnliste der Bundesdeutschen Roten Liste. Die Bestände gelten als rückläufig.

(jle)